Hunde brauchen Menschen

Das Hundeverhalten: Es ist inzwischen kaum noch einem Hundehalter und selbst Menschen, die kaum Kontakte mit Hunden pflegen, unbekannt, dass auch Hunde sehr hoch entwickelte Gefühle ausbilden können. Letztlich lässt sich fast schon sagen, dass Hunde ähnlich dem Menschen ticken, was die Gefühlswelt angeht. Auch wenn diese Tatsache inzwischen schon verbreitet bekannt ist – nicht jeder Mensch weiß das. Gerade auf Hundeplätzen ist es immer noch erschrecken zu sehen, wie Hunde dort behandelt werden. Fast könnte der Eindruck entstehen, der Mensch auf dem Hundeplatz, der dort mit den Hunden arbeitet, geht davon aus, hier mit einem gefühllosen Wesen zu interagieren und lediglich einen Roboter zu bedienen, statt einen Hund zu erziehen. Das Tier soll funktionieren, wie der Mensch das wünscht und das geschieht mit entsprechenden Hilfsmitteln. Der Ton, der auf dem Hundeplatz herrscht, gleicht eher einem Kasernenhof als dass man annehmen könnte, dass hier ein Mensch mit seinem besten vierbeinigen Freund die Zeit verbringt.

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Andererseits lässt sich noch ein weiteres Phänomen auf dem Hundeplatz immer wieder beobachten und das besteht darin, dass die Hunde dort völlig penetrant auf eine Stelle schauen und geradezu fixiert auf die Futtertasche sind, die der Halter mit sich führt. Auch hier werden die Hunde weniger wie lebende und fühlende Lebewesen behandelt als viel eher wie ein Futterautomat, der bei gewünschtem Verhalten befüllt wird. Allerdings ist der Hund hier schon so konditioniert, dass er die gewünschten Leistungen lediglich dann abruft, wenn er zur Belohnung auch mit Leckerlis förmlich gefüllt wird. Beide Arten von Hundeplätzen haben eines gemeinsam, denn sie berauben den Hund seines eigentlichen Wesens und degradieren ihn zum Roboter oder eben befüllten Futterautomaten. Hunde sind allerdings hoch soziale Wesen und das wird in keinem der beschriebenen Fälle auf dem Hundesportplatz berücksichtigt. Weder unter Druck noch mittels Elektrohalsband und auch nicht mit Unmengen von Leckerlis sind die richtigen Triebfedern bedient, die Hunde dazu bringen, die erstaunlichen und innerhalb der Natur schon einmaligen Leistungen gemeinsam mit dem Menschen zu erbringen.

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Die Hunde-Mensch-Bindung ist wichtiger als die Belohnung mit Leckerlis
Es wurden schon Studien durchgeführt, innerhalb derer man Hunde wählen ließ zwischen dem Streicheln durch ihre Halter oder dem Leckerli als Belohnung für erbrachte Leistungen. Heraus kam für viele Hundehalter Erstaunliches. Der Hund zeigte, dass das Streicheln eine gleiche oder manchmal sogar stärker wirkende Belohnung für den Hund ist, als wenn ihm lediglich ein Leckerli zur Belohnung zugeworfen wird. Zu diesem Ergebnis gelangten mehrere Studien, die dann zum Ende 2017 auf der Canine Science Conference, die erstmalig in Phoenix, Arizona stattfand, vorgestellt wurden. Das natürliche Verhalten der Hunde liegt in erster Linie darin, aktiv die Nähe und die Anerkennung des Halters zu suchen. Dieses Verhalten entwickelt sich bereits im Welpenalter bei allen Hunden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Hundewelpen bereits in ihren ersten Lebenswochen hier ein anderes Verhalten aufweisen, als dies bei Wolfswelpen der Fall ist. Der Wolfswelpe interessiert sich, anders als dies beim Hundewelpen der Fall ist, schon naturgemäß nicht für den Menschen als Sozialpartner. Das hat auch zur Folge, dass die Ausbildung und Erziehung von Hunden über eine enge emotionale Bindung zum Menschen stattfindet und dass diese für den Erziehungserfolg eine deutlich höhere Wertung hat als die Konditionierung mittels Leckerlis hat. Kurz und gut: Der Hund tut die gewünschten Dinge weniger wegen der ausstehenden Belohnung als eher deshalb, weil der seinem Menschen gefallen möchte. Viele Hunderassen suchen deshalb förmlich nach der Arbeit mit dem Menschen. Den Hunden ist dies ein echtes Bedürfnis und sie tun Dinge, weil es ihnen gut tut, wenn auch der Mensch zufrieden ist und es ihm gut geht. Das wird auch gern als das „will-to-please“ bezeichnet.

Hunde wünschen sich einen gemeinsamen Erfolg mit dem Halter
Spannend an diesen ganzen Erkenntnissen ist dabei, dass es auch dem Menschen so geht wie den Hunden. Beim Umgang mit Hunden werden die gleichen Hormone wie auch Gehirnregionen tätig, wie dies bei Hunden der Fall ist. Das bezieht sich auch auf die gemeinsam erzielten Erfolge im Hundesport, bei einer gemeinsam absolvierten Wanderung innerhalb der Natur und natürlich auch bei der Arbeit mit Hunden. Hunde haben sich in der gemeinschaftlichen Arbeit mit und für den Menschen weiter entwickelt. Der Erfolg dieser gemeinsamen Arbeit – oder auch dem gemeinsamen Hundesport – liegt darin, dass ihm diese Erfolge genauso wichtig sind, wie dies für uns Menschen der Fall ist. Der Border Collie beispielsweise hat durch seine Aufgabe, die im Hüten der Schafe besteht, in seinem Dienst für den Halter seine Aufgabenerfüllung zu seinem wichtigsten Lebensbedürfnis gemacht. Er braucht die Zuwendung des Halters, der stolz auf seine Aufgabenerfüllung ist, er benötigt für diese Arbeit mit den Schafen aber kein Leckerli als Belohnung. Die Belohnung des Border Collies liegt allein darin, dass er die Anerkennung durch seinen Halter erfährt und dass er so in Eintracht mit seinem Menschen lebt und erlebt. All diese Verhaltensweisen sind natürlich sehr individuell gelagert und zudem auch bei verschiedenen Hunderassen unterschiedlich stark ausgeprägt. Hunde sind allerdings über die Jahrtausende im Zusammenleben von Hund und Mensch für die Erfüllung verschiedener Aufgaben gezüchtet worden.

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Der Hund im Tierheim
Wie sehr die Hunde auf die Zuwendung des Menschen angewiesen sind, zeigt sich immer wieder in Tierheimen. Hier fehlt der soziale Kontakt zum Menschen und das ist eines der Hauptprobleme von Tierheim-Hunden. Auch mit dieser Thematik beschäftigen sich in letzter Zeit zahlreiche Studien, die immer zum gleichen Ergebnis gelangen. Bei den meisten Hunden ist bereits nach einer kurzen Zeit der Zuwendung durch Menschen ein positives Ergebnis sogar messbar. Lisa Gunter, tätig bei der Arizona State University, unternahm Untersuchungen im Hinblick auf die Cortisol-Konzentration im Urin und somit den Stress-Level von Hunden. Aus insgesamt fünf verschiedenen Tierheimen wurden Hunde für eine oder auch zwei Nächte an eine Pflegefamilie übergeben. Die gute Nachricht, die daraus resultierte: Schon nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sank das Stress-Level bei den Hunden. Die schlechte Nachricht allerdings war, dass nach der kurzen Erholungsphase das Stress-Level der Hunde innerhalb weniger Tage wieder den alten Stand hatte.

Die Verantwortung für den Freund auf zwei Beinen
Diese Ergebnisse zeigen, wie hoch der Stellenwert er Freundschaft zwischen Hund und Mensch liegt. Diese Bindung nehmen Hunde wahrscheinlich sogar ernster als der Mensch. Tatsache ist allerdings, dass der Mensch für den Hund die Verantwortung hat. Hunde sind vom Menschen abhängig und wenn Probleme zwischen Hund und Mensch bestehen, dann sind das die Menschen, die hierfür die Verantwortung tragen. Es muss keine überfüllten Tierheime geben, denn der Großteil der Tierheim-Hunde ist das Ergebnis einer ungeregelten Überproduktion von Hunden. Dabei gibt es EU-weit ansonsten nichts, was nicht mit amtlichen Pamphleten untermauert ist. Bei der Hundezucht sieht das anders auch und jeder darf züchten und EU-weit Hunde vermarkten. Anmeldungen, Richtlinieneinhaltungen, Fachkunde oder gar Zulassung sind dafür nicht erforderlich. Es gibt auch sonst keine Kontrolle oder Verpflichtung. Die Zuwendung des Menschen bleibt hier aus und dabei wären im Hundeinteresse gesetzliche Mindeststandards sehr sinnvoll. Auch ein Hundehandel gehört verboten. Dazu sollten Züchter und Zuchtverbände einer strengen Kontrolle, ähnlich dem TÜV, unterstehen. Dazu sollten sie verpflichtet werden, für das „Produkt“ Hund Sorge zu tragen, wenn der Käufer den Hund nicht mehr halten kann oder will. Das würde schnell zu einem Leerstand in Tierheimen führen und die Hunde würden vor Leid bewahrt.

Der Mensch ist für den Hund der wichtigste Sozialpartner
Hunde sind wie auch der Wolf und der Mensch, hochsoziale Wesen. Innerhalb des sogenannten Domestikationsprozesses hat sich der Hund der Sozialordnung des Menschen angepasst und gehört zu seinem Rudel. Das gilt bereits seit 30.000 Jahren und man passt gegenseitig auf sich auf, jagt und arbeitet miteinander und wärmt sich auch gegenseitig. Das führt zur emotionalen Bindung. Den Hunden ist der Kontakt zum Menschen wichtiger als zu anderen Hunden. Andere Hunde braucht er – beispielsweise zur Fortpflanzung – aber der Mensch bleibt das Wichtigste.

 

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Die Hund-Mensch-Bindung hilft beiden Seiten
Emotionale Kontakte zwischen Hunden und Menschen und die soziale Anerkennung sind Hunden wichtig für ihr Wohlbefinden und ihre psychische Gesundheit, was Studien und Tests belegen. Bei möglichen Verhaltensstörungen sollte die Qualität der Bindung zwischen Hunden und Menschen immer geprüft werden.

Leckelis festigen die Bindung zusätzlich
Leckerlis sind nicht notwendig, führen aber zu einer weiteren Festigung der Bindung zwischen Menschen und Hunden. Die Freude, die die Hunde über Leckerlis empfinden, überträgt sich auf den Menschen. Allerdings sollten sie keine Belohnung für gewünschtes Verhalten sein, sondern lediglich der Festigung der Bindung dienen. Leckerlis sollten Menschen und Hunden einfach Freude bereiten – in Maßen, denn Gewicht und Gesundheit des Hundes haben auch hier Vorrang. Ist die emotionale Bindung zwischen Hunden und Menschen ideal, sind Hunde ohnehin motiviert, die Wünsche ihrer Menschen zu erfüllen und damit sind Leckerlis als Belohnung dann ohnehin nicht mehr notwendig. Hier verhalten sich einzelne Hunde wiederum natürlich individuell und ein herumliegendes Leckerli kann durchaus dazu führen, dass Menschen die erwartete Begrüßung der Hunde bei einigen Tieren möglicherweise nicht bekommen, weil diese gerade ein Leckerli gefunden haben. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn ein früherer Straßenhund es gewohnt ist, jedes zur Verfügung stehende Futter sofort zu verzehren, weil es wenige Sekunden später weg sein könnte. Schnelles Fressen ist hier eine Frage des Überlebens. Ansonsten benötigen Hunde in erster Linie die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Menschen.

 

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